Be My Eyes ist eine Zugänglichkeitsplattform für blinde und sehbehinderte Menschen. Über die App kann eine Person per Live-Video freiwillige Helfer:innen, Unternehmen oder KI-gestützte Bildbeschreibung erreichen. Der praktische Kern bleibt dabei menschliche Selbstbestimmung: Die Kamera zeigt nur, was die nutzende Person bewusst teilt, und Hilfe wird für eine konkrete Situation angefragt, etwa beim Lesen eines Etiketts oder beim Einordnen eines Gegenstands.

Das Produkt ist mehr als eine einzelne Freiwilligen-Hotline. Die aktuelle Plattform umfasst Be My AI, einen Service Directory für Unternehmen, Desktop-Zugang und Angebote rund um Smart Glasses. Trotzdem ersetzt sie weder persönliche Assistenz noch eine fachliche Entscheidung bei Gesundheit, Recht, Geld oder akuter Gefahr.

Für wen eignet sich Be My Eyes?

  • Blinde und sehbehinderte Menschen, die im Alltag kurze visuelle Einordnung wünschen.
  • Freiwillige, die auf eine konkrete Anfrage hin per Video unterstützen möchten.
  • Unternehmen, die ihre Kundenhilfe über geschulte Mitarbeitende zugänglich machen wollen.
  • Teams für digitale Barrierefreiheit, die verstehen möchten, wo ein menschlicher Kontakt besser ist als eine reine Bilderkennung.

Be My Eyes ist kein klassisches Workflow- oder Automatisierungstool. Sein Wert entsteht aus Zugänglichkeit und einer respektvollen Interaktion, nicht aus der Anzahl automatisch abgearbeiteter Vorgänge.

Wie die Hilfe funktioniert

In der App kann die nutzende Person zwischen menschlicher und KI-gestützter Hilfe wählen. Bei einer Live-Anfrage wird die Kameraansicht für den Zweck der Unterstützung geteilt. Nach Angaben des Anbieters sehen Freiwillige nur den geteilten Kamerabereich und hören die Stimme; die Unterstützung ist für die Community kostenlos und international verfügbar.

Be My AI kann eine Szene oder ein Bild beschreiben und Nachfragen beantworten. Das eignet sich gut für Orientierung und erste Einordnung. Bei mehrdeutigen, persönlichen oder folgenreichen Inhalten ist ein Mensch, eine offizielle Quelle oder eine qualifizierte Fachperson die bessere Gegenprüfung.

Redaktionelle Einschätzung

Be My Eyes zeigt, wie KI sinnvoll in ein zugängliches Produkt eingebettet werden kann: nicht als Ersatz für die Person, sondern als zusätzliche Möglichkeit, Informationen selbständig zu erschließen. Die gute Nutzung beginnt mit Transparenz. Wer sieht das Bild? Was wird geteilt? Ist die Antwort plausibel genug für diese Entscheidung?

Wir empfehlen, die App zuerst mit ungefährlichen, alltäglichen Situationen kennenzulernen. Keine sensiblen Dokumente, Zugangsdaten, Arzneimittelentscheidungen oder Finanztransaktionen über eine spontane Video- oder KI-Anfrage erledigen. Für Unternehmen gilt dasselbe: Der Service Directory kann Barrieren senken, braucht aber geschulte Mitarbeitende, klare Eskalationen und einen verständlichen Datenschutzprozess.

Sinnvolle Nutzung im Alltag

  1. Mit einem unkritischen Objekt oder einer Verpackung beginnen.
  2. Vor dem Start entscheiden, ob KI-Beschreibung genügt oder ein Mensch hilfreicher ist.
  3. Persönliche Daten, Bildschirminhalte und Dokumente nicht unnötig in die Kamera halten.
  4. Bei unklarer Antwort eine zweite Quelle nutzen, statt sie als Tatsache zu behandeln.
  5. Für Unternehmen: Erreichbarkeit, Sprache und Eskalationsweg testen, bevor der Dienst beworben wird.

Stärken und Grenzen

Stärken

  • Verbindung von freiwilliger Echtzeit-Hilfe und KI-gestützter Bildbeschreibung.
  • Kostenfreie Nutzung für blinde und sehbehinderte Menschen sowie Freiwillige.
  • Internationale Plattform mit vielen Sprachen und Kanälen.
  • Zusätzliche Optionen über Desktop, Service Directory und Smart-Glasses-Integrationen.

Grenzen

  • Bild- und KI-Antworten können unvollständig oder falsch sein.
  • Video teilt reale Umgebung und verlangt bewussten Umgang mit Privatsphäre.
  • Nicht geeignet als alleinige Grundlage für Notfälle oder kritische Entscheidungen.
  • Verfügbarkeit und Detailtiefe menschlicher Hilfe können situationsabhängig sein.
FAQ aufklappen

FAQ

Ist Be My Eyes eine medizinische oder Notfallhilfe?

Nein. Die App kann beim visuellen Einordnen unterstützen, ersetzt aber weder Notruf noch medizinische, rechtliche oder finanzielle Beratung. Bei Gefahr oder kritischen Entscheidungen braucht es die zuständige Fachstelle.

Was ist der Unterschied zwischen Freiwilligenhilfe und Be My AI?

Freiwillige helfen in einem Live-Videoanruf als Menschen. Be My AI liefert KI-gestützte Beschreibungen und Antworten zu Bildern. Die passende Wahl hängt von Aufgabe, Privatsphäre und erforderlicher Sicherheit ab.

Was sollten Unternehmen vor einer Anbindung prüfen?

Geschulte Personen, erreichbare Eskalation, Datenschutzinformationen, die erlaubten Themen und echte Tests mit Nutzer:innen. Ein sichtbarer Button allein macht einen Service noch nicht zugänglich.